Geschichte im Kulturprozeß

Abstract
Das Buch greift die Herausforderung der Postmoderne auf und plädiert für den Blick über den Tellerrand der westlichen Kultur. Es weist dem historischen Denken und der Geschichtskultur eine zentrale Aufgabe in der geistigen Bewältigung der Modernisierung zu.

Geschichte ist immer Vergangenheit und Gegenwart zugleich, Gestern und Heute, erstreckt sich ins Morgen. Sie ereignet sich in einem Prozess der Kultur, den sie selber thematisiert. Geschichte steht nicht über dem Geschehen, sondern ist ein Ereignis in ihm, verflochten in die kulturellen Orientierungen der menschlichen Lebenspraxis. Das Buch behandelt zentrale Kapitel des historischen Denkens, wie das Erbe des Historismus oder die Leistungen der historischen Trauerarbeit. Als Beitrag zu aktuellen Debatten steuert Jörn Rüsen eine Analyse zum Verhältnis von Objektivität und Narrativität bei, wie er auch den Gegensatz von Moderne und Postmoderne in Bezug auf den Erinnerungsdiskurs untersucht. Die Beziehung der Kulturen im Globalisierungsprozess ist ein weiteres Thema, wobei die Menschenrechte in einer universalhistorischen Perspektive interpretiert, und das Problem historischer Identitätsbildung im Modernisierungsprozess erörtert werden. Schließlich zeigt Rüsen die interkulturell e Kommunikation im Bereich des historischen Denkens als Chance für die Überwindung des Zivilisationskampfes auf und eröffnet theoretische Zugänge zum interkulturellen Vergleich.